Gute Wasserqualität der Gewässer im Rems-Murr-Kreis

Nein, trinken sollte man die Wässer unserer Bäche und Flüsse nicht. Die Anzahl der Keime und der natürliche Verschmutzungsgrad sprechen dagegen. Die Anforderungen an Trinkwasser sind sehr hoch und das können unsere Gewässer nicht erreichen. Jedoch: die Qualität unserer Gewässer steigt.

Der Rems-Murr-Kreis wird von einem insgesamt 1246 km langen, dichten Netz aus Bächen und Flüssen mit Wasser versorgt. Durch die Eigenschaft alles, auch Schmutz und Abfall, schnell abzutransportieren, wurden unsere Gewässer lange Zeit nur als eine Art „Entsorgungssystem" genutzt. Dabei sind unsere Gewässer viel mehr: sie sind Lebensadern und Erholungsraum, wohltuende Unterbrechung der Landschaft und Rückzugsgebiet für viele Tierarten. In den letzten Jahrzehnten hat sich daher die Einstellung zu unseren Gewässern grundlegend verändert. Hatte man früher die Bäche und Flüsse noch begradigt, kanalisiert und sie in eine unnatürliche Form gezwängt, so versucht man heute, ihnen wieder den Freiraum zurückzugeben, den sie verdienen.

Seit 1968 gibt es regelmäßig Untersuchungen an Rems und Murr samt ihren Nebenflüssen. An rund 30 Messpunkten wird die aktuelle Gewässergüte ermittelt. Die Ergebnisse zeigen: waren die meisten Gewässer im Jahr 1968 sehr stark oder stark verschmutzt sind sie heute zum überwiegenden Teil nur noch mäßig belastet.

Die 54 Kläranlagen im Rems-Murr-Kreis haben maßgeblich zu dieser Verbesserung beigetragen. Sie sorgen dafür, dass nur gereinigtes Abwasser in die Bäche und Flüsse fließt. Durch eine intensive Zusammenarbeit des Landratsamtes Rems-Murr-Kreis mit den Kläranlagenbetreiber und den Kommunen konnte die Qualität der Bäche und Flüsse ständig verbessert werden.

Der Grad der Belastungen kann durch eine biologische Gewässeranalyse ermittelt werden. Dabei macht man sich die Tatsache zunutze, dass bestimmte Lebewesen ab bestimmten Belastungen des Wassers nur noch sehr eingeschränkt vorkommen oder gänzlich verschwunden sind. Der besondere Vorteil der biologischen Bewertungsmethode mit wirbellosen Fließgewässerorganismen liegt darin, dass diese Gruppe Tiere umfasst, die zum einen in allen Fließgewässern vorkommen, und zum anderen viele der relativ langlebigen Organismen über einen längeren Zeitraum (von einigen Monaten bis zu mehreren Jahren) im Gewässer anzutreffen sind. Sie reagieren in dieser Zeitspanne „integrierend" auf ungünstige Umweltbedingungen und spiegeln damit die Gewässergüte über einen längeren Zeitraum wieder.

Unter der Wasseroberfläche unserer Gewässer wimmelt es nur so von Leben. Wenn man aus einem Bach einen Stein aufnimmt und ihn sich näher betrachtet, kann man eine Vielzahl von kleinen Lebewesen entdecken: Bachflohkrebse, Stein- und Eintagfliegenlarven sind in jedem sauberen Gewässer zu finden. Andere Arten bilden teilweise raffinierte Lebensweisen aus: Köcherfliegenlarven beispielsweise bauen um ihren Körper ganz signifikante Röhren aus kleinen Steinen. Auch Schnecken, Muscheln, im Wasser lebende Insekten und andere Kleinlebewesen kann man bei näherem Betrachten entdecken.

Die Verbesserung der Wasserqualität in Rems und Murr kommt nicht zuletzt auch den Fischen zugute. So findet man in der Murr sporadisch wieder das Bachneunauge, eine besonders geschützten Art. In den Oberläufen und - je nach Wasserqualität - auch in den Unterläufen trifft man auf die Bachforelle, die Mühlkoppe (oder auch Groppe genannt), die Nase und die Barbe sowie die Regenbogenforelle, den Döbel, den Gründling, das Rotauge, die Schleie und die Schmerle.

Es gibt aber keinen Grund, sich auf dem bisher Erreichten auszuruhen. Um die hohe Selbstreinigungskraft der Gewässer zu verstärken, muss die Gewässerstruktur weiter verbessert werden. Dies erreicht man zum Beispiel durch die Wiederherstellung eines natürlichen Gewässersaums, Anpflanzung von Gehölzen und durch eine abwechslungsreiche Gewässerlinie. Die Beseitigung von Querbauwerken und das Anlegen von Fischaufstiegen, also die Herstellung der Durchgängigkeit, sorgt für einen verstärkten Austausch der einzelnen Lebewesen.

Die Sommermonate bedeuten für die Lebewesen der Gewässer zumeist Stress. Die Wassermenge der Bäche und Flüsse werden durch verstärke Wasserentnahme noch weiter verringert. Dies führte in der Vergangenheit vereinzelt sogar dazu, dass an der Mündung der Bäche kein Wasser im Gewässerbett mehr zu finden war. Aber auch in den verbleibenden Wasserresten ist der Sauerstoffgehalt oft so gering, dass es zu einem Fischsterben kommen kann.

Egal, ob es um den Verbrauch oder die Verschmutzung des Wassers geht: der sorgsame, bewusste Umgang mit diesem kostbaren Gut ist in allen Bereichen wichtig.




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